Januar '19

05.01.19/Sa

Die Erleichterung beim Haareschneiden. Nur ab ab ab ab. Kaum auszuhalten mehr.

06.01.19/So

Die Fragilität. Trotzdem eine Zuversicht. Fast weinen müssen, kaum atmen können. Die Überwindung zu lächeln und mit vollstem Herzen, mit tiefen Blick in die Augen lächeln beim Kassieren. Die Derealisation. Instant Nudeln essen und mich mehrmals bedanken bei Mama, alle Kraft noch zusammenziehend, sie zu den Locken zu ermutigen. Keinen Missmut verbreiten, selbst bei Traurigkeit noch Liebe schöpfen. Nicht in totaler Indifferenz abdriften. Nicht in Genervtheit.

Dunkel. Später Panik, Angst, weinen. Kaum Luft, Angst vor Abweisung, Ablehnung. Angst vor Dir-steht-dieser-Ort-nicht-zu. Versuch der Besinnung.

07.01.19/Mo

Der laute IRE. Die Entropie beim Erzählen mit G. Die weite Landschaft. Das Graublau beim Vorüberziehen. Das rosa Kuscheltier an meinem Rucksack hängend. Das vergraute rosa im Graublau des Tages.

08.01.19/Di

Das Nichtaushalten von noch mehr Reizen, die innere Unruhe, die unerträgliche Langeweile, das Nicht-Zuhörenkönnen während der Vorträge, während des zyklischen sisyphusartigen Scrollen und Switchen zwischen den Apps. Das Nicht Mehr Aushalten können. Das nicht mehr weiter Ertragen können. Der unbemerkte Regen. Das Sinken des Blicks. Der kurze Ausfall, die übertriebene gespielte Begeisterung.

Das Grau.

09.01.19/Mi

Die Stille, einzig das leise Ticken, das Atmen der Heizung, beim Tagebuchschreiben. Die Stille der Erschöpfung.

10.01.19/Do bzw. 11.01.19/Fr 01:03

Die Wärme von tief innen nach außen, sie steigt auf mit einem Seufzer.

11.01.19/Fr 16:24

Und mein Herz seufzt und zieht sich zusammen. Es seufzt und fühlt alles.

12.01.19/Sa

Doch ein Nichts.

Aber auch: Ein „Yann Tiersen“-Album hören und die ganzen Bilder im Kopf laut aussprechen.

13.01.19/So

Im laternenbeleuchteten Dunkel die Straße entlanggehen. Das Prasseln des Regens. Weder kalt noch windig. Nur nass. Das Dunkel ist am kontrastreichsten. Lichter, die auf den Straßen widergespiegelt werden.

Unfassbar lachen und gleichzeitig entzückt mitfühlen müssen, als J. über seine eBay-Kleinanzeigen-Erlebnisse sprach, die wohl nun langsam ihr Ende nehmen. Und von ihm gefragt worden, ob wir stattdessen zusammen puzzlen möchten.

14.01.19/Mo

Als die Schneeflocken mir entgegenzogen, in diesem wirbeligen Windzug, beinahe einsaugend, einen aufsaugend und ich nur staunend nach oben blickte, das Herz kurz auf, dabei nur Musik in den Ohren. Murderers - John Frusciante

16.01.19/Mi

Mich von A. verabschieden und plötzlich das Gefühl haben, dass etwas abfällt. Erleichternd. Dem Wind entgegenkommen, als würde er etwas wegtragen. Allein sein, weil ich es doch brauche. (Warum merke ich es nie in Anwesenheit der Menschen?)

Ein bisschen weinen wegen C.s Brief. Eigentlich keine Kraft haben, aber wenigstens die Neugier gestillt. Der Verdrängung entgangen.

18.01.19/Fr

Der Himmel war eiskaltblau und die Sonne schien und war doch schon so niedrig, dass sie ihr orangenes Licht auf die Menschen warf. Der Mond war am Himmel, er war am helllichten Tag am Himmel, er strahlte weiß und man sah ihn, man sah den Mond, wenn man 100° Richtung Ost blickte und da war er einfach und strahlte weiß und es hat mich einfach glücklich gemacht, wie er einfach da war an diesem hellblauen, kalten Januartag.

Der Himmel errötet, als würde ihm jemand schmeicheln.

20.01.19/Sa

Mit L. doch wieder in einen Gesprächsflow reingestolpert sein, mehrere S-Bahnen verpassen, dann einsteigen und sogar an der Friedrichstraße vorbei, das Thema beende ich noch, nächste steige ich aus, dann aber doch bis nach Pankow fahren, die letzten paar Minuten noch nutzen und schnell reden und trotzdem, als die Bahn dann einfuhr, dieses unbefriedigende Gefühl, das Gespräch kam nicht zu seinem natürlichen Ende, man musste es künstlich abbrechen, wie ärgerlich und unbefriedigend! Ein bisschen empört sein ob der Umstände, aber so ist es gerade, es war auch nicht geplant, so lange noch zu bleiben. Vorhin noch die Müdigkeit gespürt, jetzt konzentriert wach. Froh sein über die Art von Gespräche, dass sie auch bei mehreren Freund‘innenschaften existieren.

20.01.19/So

S. vermisst. Ansonsten nichts.

Nichts.

Nichts.

21.01.19/Mo

First, it’s numbness. Then it’s drowning. (?)

Alles prallt ab. Spiegelglatt. Jede genuine Emotion ein atemschwerer Kraftakt. Wie einen Betonboden aushöhlen. Oder eher eine Metallwand. In der Interaktion Automatismen. Second-Hand-Gefühle. Alles, was bleibt. Ist rationales Denken. Ein großer Automatismus. Es ist egal. Alles egal.

22.01.19/Di

Draußen hinter der Mensa sitzen mit einem Tee, auf die Spree gucken. Die Sonne scheint. Es ist kalt.

Ansonsten: idk.

24.01.19/Do

Geweint, weil es beim Alleinsein unterschiedliche Ausprägungen gibt: gewolltes Alleinsein und Allein gelassen werden.

Im Restaurant bei Kerzenschein gewollt allein zu Mittag gegessen.

25.01.19/Fr

Erleichterung und positiv überrascht, dass C. und ich so freundschaftlich und vor allem ehrlich miteinander redeten.

26.01.19/Sa

Wie sehr können sich zwei bloße Körper mögen.

Café. Warum habe ich den Drang zu weinen

Den Schnee verpasst. Als ich rausging und die letzten Reste des geschmolzenen Schnees sah. Verpasst. Aber mit einem gewissen Determinismus. Die Wahrscheinlichkeit nur niedrig, dass ich ihn mitbekommen hätte. Hinter dem Rücken. Wie die freie Fläche nachdem der Rummel abgebaut hat. Reste des Spektakels. Die Ernüchterung nach dem Klimax. Wie die Enden der Gaußschen Glockenkurve.

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